Das
Publikum feiert jeden wie einen Sieger
Der Wettergott hat es gut gemeint
mit den Sportbegeisterten in Aulendorf: Beim Stadtlauf am Samstag
amüsierten sich hunderte Zuschauer und Läufer bei perfekten Temperaturen.
Die Gäste feuerten jeden der 255 Sportler an wie einen Siege
In der einen Hand die Pistole, in der anderen
ein Walkie-Talkie - wie der Sheriff von Aulendorf steht Ralf Faiß, der
Verantwortliche für "Auf die Plätze, fertig, los" an der Startlinie. Die
Kinder hibbeln herum und rufen: "Nicht schießen, nicht schießen." Fast
enttäuscht schiebt Faiß die Pistole wieder in die Hosentasche. Die kleinen
Sportler haben Angst vor dem Knall beim Startschuss, und dabei ist
Konzentration in diesem Moment doch alles. "Bis wohin muss ich rennen?",
fragt noch schnell der blonde Junge mit der Nummer 304 in Richtung Mutter.
Und schon geht es los.
Jugend zum Sport bringen
Eine Dreiviertelstunde zuvor herrscht weitgehend Ruhe an der Strecke.
Gelassenheit auch im Hofgarten, wo sich Kinder ihre Startnummern abholen
und Läufer sich noch nachmelden können. "Die guten Läufer kommen erst eine
knappe Stunde vor dem Lauf, um sich in Ruhe vorbereiten zu können", sagt
Inge Kiestaller von den Organisatoren, den SGA Yetis. Bis zum Hauptlauf um
17.30 Uhr sind es aber noch zwei Stunden.
Die meisten Nachmelder kommen lauf Kiestaller bei den Bambinis und den
Schülern. Die Enttäuschung darüber, dass es dieses Jahr keine
Stadtlauf-T-Shirts gibt, halte sich in Grenzen. "Bisher hat mal ein Kind
nachgefragt." Dafür gibt es beim Nachwuchs erstmals keine Nachmeldegebühr
wegen der "Familienfreundlichkeit". "Wir wollen die Jugend ja dazu
bringen, Sport zu machen und am Wettkampf teilzunehmen", sagt Kiestaller.
Bis zu diesem Zeitpunkt haben sich 250 Teilnehmer für die Läufe
angemeldet.
Beim Staffellauf um 17 Uhr zeigt sich: Am Gymnasium Aulendorf wird Sport
offensichtlich groß geschrieben: Mit gleich zwei Teams tritt die Schule an
- am Ende siegt das Lehrerteam, die Schülerinnen werden Vierte. Und auch
beim Hauptlauf treten noch einmal fünf Vertreter des Lehrkörpers an.
Schulleiter Karl Binder läuft zwar nicht selbst mit, steht aber mit
Schulsekretärin Elke Windberg am Straßenrand, fotografiert und fiebert
mit.
Nachdem sich vor allem die Jüngeren auf den kürzeren Strecken ausgetobt
haben, gehen um 17.30 Uhr 148 Teilnehmer für den Hauptlauf an den Start.
Sechsmal heißt es vor zum Schloss laufen, durch den Park und wieder
zurück. Die Menschen am Streckenrand johlen , klatschen und feuern die
Sportler an. Besonderen App-laus erhält dabei auch der älteste Teilnehmer,
Hermann Kemmler aus Bad Waldsee, Jahrgang 1931.
Am Ende gewinnt den Stadtlauf Peter Kotz, der für die TSG Ehingen läuft
und schon vorher als Favorit gehandelt wurde. Mit seiner Zeit von 21.13
Minuten knackt der 24-Jährige den alten Streckenrekord von Stefan Stahl
aus dem Jahr 2007. Bei den Frauen siegt, ebenfalls wie erwartet, Margit
Adelwarth. Die 43-Jährige vom TV Erkheim kommt bei 25.14 Minuten ins Ziel.
Das Fazit von Mitorganisator Torsten Moch lautete gestern: "Gemütliches
familiäres Ambiente mit gut besuchten Cafés entlang der Strecke." Mit dem
Verlauf der Veranstaltung sei er sehr zufrieden. Vielleicht auch, weil die
SGA Yetis beim Hauptlauf den Mannschaftssieg bei den Männern holten. So
winkte am Ende ein Ritteressen im Gasthaus Rad.
"Es ist einfach ein Spaß für die Kinder"
Besonders direkt am Zieleinlauf drängten sich beim Stadtlauf in Aulendorf
die Zuschauer. Die SZ hörte sich bei den Menschen am Streckenrand um.
"Wir sind hier, weil unsere Kinder mitmachen", sagt Monika Schmid aus
Untermöllenbronn. "Es ist einfach ein Spaß für die Kinder, und sie können
sehen, dass man sich an solchen Veranstaltungen beteiligen kann." Ihre
Freundin Marianne Mrotzek aus Tannweiler fügt hinzu: "Wir wollen einfach
Kaffee trinken und Bekannte treffen."
Rudi Lerner, 60, ist extra aus Bad Schussenried nach Aulendorf zum
Stadtlauf gekommen. Die Tochter seines Cousins läuft mit. "Ich bin selber
sportlich und kann hier Bekannte treffen", sagt Lerner. "Außerdem muss ich
meine Verwandtschaft mit Applaus unterstützen - vom Startgeld können sie
ja nicht leben." Lerner lacht.
Auch Oliver Scheiter aus Tannhausen ist wegen der Familie da. "Mein Sohn
läuft mit", sagt der 39-Jährige. "Ich finde es schön, wie es hier
aufgebaut ist. Da kann man nah am Ziel sitzen und anfeuern." Insgesamt
fände er es einfach gemütlich, sagt Scheiter, der zum ersten Mal bei
diesem Stadtlauf mit dabei ist.
Schon öfter dabei war dagegen Alexander Allgeier. Der 39-Jährige sagt:
"Ich laufe selbst gern - und ich treffe hier viele Bekannte, die man sonst
über's Jahr nicht sieht." Er kenne viele, die bei diesem Lauf mit dabei
sind. Alexander Allgeier kommt direkt aus Aulendorf.
Der Ramazotti läuft mit Abstand am Besten

Das Glas Bier sicher ins Ziel bringen hat die Aufgabe im vergangenen Jahr
gelautet. Dieses Mal hieß es möglichst schnell harte Alkoholika verkaufen.
Der Wirtelauf beim Aulendorfer Stadtlauf begeisterte das Publikum wieder.
Zusätzlich diente das Ganze auch noch einem guten Zweck.
Die Schürzen sitzen, Hände balancieren Tabletts mit vollen Schnapsgläsern,
der Geruch von Alkohol liegt fast betäubend in der Luft. Die fünf
Bedienungen und Wirte stehen in den Startlöchern für den Wirtelauf. Das
Bistro Kaktus ist vertreten, das Café-Restaurant Reck, das Vita-Hotel und
das Schlosscafé Engel. Nach dem Startschuss heißt es möglichst schnell vom
alten Rathausplatz zum Schloss kommen und dabei muss jeder zehn Schnäpse
verkaufen.
Im vergangenen Jahr lautete die Aufgabe noch: ein Glas Bier möglichst
schnell und voll ins Ziel zu bringen. Doch die Sauerei war laut Sebastian
Engel einfach zu groß. So hat sich der Chef des Schlosscafés etwas Neues
überlegt. Alle Wirte in Aulendorf hat er angerufen, alle fanden die Idee
laut Engel auch gut. "Aber feste Zusagen gab es dann doch wenige."
Ein Euro ist der Festpreis für ein Glas. Die sportlichen Schnapsverkäufer
laufen zwischen die Gäste von Ermlers Café, wenden sich an das Publikum an
der Straße. Das Geschrei ist groß. Die Gläser werden hektisch in der
Nachmittagshitze geleert. Immerhin geht es hier vor allem um das Tempo. Am
Besten läuft es bei Julia Heck vom Schlosscafé. Die junge Frau hat auf
Ramazotti gesetzt.
Heck gewinnt am Ende auch mit deutlichem Vorsprung in weniger als zwei
Minuten. Ihr folgt Bianca Dietlicher vom Kaktus. Die Männer müssen sich
mit den hinteren Plätzen zufrieden geben. Über ihr Erfolgsrezept sagt
Julia Heck trocken: "Das lag sicher am Alkohol, der Charme wars nicht."
Mindestens 100 Euro sind beim Verkauf der Schnäpse zusammen gekommen. Die
meisten haben mehr gezahlt als verlangt. Das Geld kommt der Aulendorfer
Tafel zugute. "Allerdings wissen die noch gar nichts davon", sagt Engel
und lacht zufrieden.
Das Glas Bier sicher ins Ziel bringen hat die Aufgabe im vergangenen Jahr
gelautet. Dieses Mal hieß es möglichst schnell harte Alkoholika verkaufen.
Der Wirtelauf beim Aulendorfer Stadtlauf begeisterte das Publikum wieder.
Zusätzlich diente das Ganze auch noch einem guten Zweck.
(Erschienen SZ: 13.07.2009) |
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